Historisches… (von Roland Böhme)

Im Jahre 2015 wird die heutige „Schule am Frühlingsberg“ 100 Jahre alt

Es ist richtig, am 27. September 1915 begann der Unterricht in dem heutigen schönen Gebäude der Frühlingsbergschule. Doch am 28. April 1928 wurde in der Schule von Wendisch- Sohland schon einmal ein 100jähriges Jubiläum gefeiert. Also zweimal die Hundert? Dazu schauen wir uns die Geschichten genauer an.

Die Schulgeschichte in Sohland begann 1549 mit der Kirchschule am Markt. Steigende Schülerzahlen führten 1652 in Obersohland zu der ersten Nebenschule. Am Anfang des 19.Jahrhunderts traten in der Kirchschule am Markt erneut erhebliche Platzprobleme auf. Die Lausitzer Schulbehörde veranlasste die Gemeinde Wendisch- und Niedersohland sich aus der Kirchschule auszuschulen. Der damalige Grundherr von Wendisch- und Niedersohland, der Graf Joseph von Seilern und Aspang, unterstützte das Vorhaben. Er stellte unentgeldlich ein Flurstück zur Verfügung, sorgte für das Brennholz zum Heizen des Schulgebäudes und spendete jährlich 20 Taler Schulgeld für arme Kinder. Die neue Schule war ein massives Häuschen ohne Obergeschoss und mit Stroh gedeckt. Vom Grundriss stimmte es mit dem heutigen unteren Gebäudeteil der ehemaligen Schule überein. Damit konnte der erste Lehrer Johann Friedrich August Richter am28. April 1828 den Schulbetrieb als zweite Nebenschule zur Kirchschule eröffnen. Somit feierte man am 28. April 1928 schon ein 100jähriges Schuljubiläum. Diesen ersten Lehrer betrachten wir genauer. Er begann den Unterricht mit 184 Kindern in drei Klassen. Der Verdienst war sehr bescheiden, so dass er mit einer Landwirtschaft für zusätzliches Einkommen sorgen musste. Krankheiten und eine Schwerhörigkeit nötigten ihn 1864 nach 37jähriger Amtszeit (!) in den Ruhestand zu treten. Noch heute erinnert die Schullinde vor dem unteren alten Schulgebäude an diesen Lehrer, er pflanzte sie im Jahre 1837.

Die Schülerzahl stieg weiter an. Unter diesen Umständen sah sich die Schulgemeinde 1872 genötigt das kleine Schulhäusel von 1828 zu erweitern, die Schule 4-klassig zu machen und 1873 einen Hilfslehrer einzustellen. Die Erweiterungen am Gebäude entsprechen dem heutigen Stand der alten Schule. Als provisorische Unterrichtsstätte diente während der Bauarbeiten der Tanzsaal der Brauerei. Im Jahre 1876 vereinigten sich in Sohland zwei Einzelgemeinden zu einer Großgemeinde. Die Dominanz der Kirchschule erlosch und man bildete drei Schulbezirke. Der Bezirk I war Wendisch- Sohland, der Bezirk II Mittel- Sohland und der Bezirk III Ober- Sohland. Gleichzeitig wurde die Schulpflicht gesetzlich geregelt, damit stieg in den kommenden Jahren die Anzahl der Schüler stark an. Auf Antrag der Königlichen Bezirksschulinspektion Bautzen beschloss der Schulvorstand am 14. November 1913 einen Neubau, der am 27. September 1915 den Schulbetrieb aufnahm und somit steht der Termin für ein zweites 100jähriges Jubiläum fest mit einem sehr schönen Schulgebäude.

Als im Jahre 1923 die Gerhart-Hauptmann-Schule eingeweiht wurde, bekamen auch die anderen Schulen Namen. In Ober- Sohland war dann die Lessingschule und in Wendisch- Sohland sollte es die Goetheschule werden. Man entschied sich jedoch zu einer politischen Lösung, denn im Jahre 1923 wurde der Reichsaußenminister Walter Rathenau ermordet, die Schule bekam seinen Namen. Den Nationalsozialisten änderten ihn 1933 in Horst-Wessel-Schule und nach 1945 führte sie dann den schönen Namen Schule am Frühlingsberg, oder wie wir einfach sagen – Frühlingsbergschule.

Roland Böhme Ortschronist